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Abstimmungsinformation der Stadt Velbert zum Bürgerentscheid am 10. Juli 2011

Abstimmungsergebnis
Allgemeine Infos zu Bürgerentscheiden
Ansprechpartner: "Projektteam Wahlen"

Es wird über folgende Frage mit Ja oder Nein abgestimmt:
„Soll das Freibad im Nizzatal, in Velbert-Langenberg erhalten bleiben?“
 

Erläuterungen zur Abstimmung

Abstimmen kann nur, wer in das Abstimmungsverzeichnis des zuständigen Stimmbezirks eingetragen ist oder einen Stimmschein hat. Das Abstimmungsgebiet Velbert ist in insgesamt 25 Stimmbezirke eingeteilt. In jedem Stimmbezirk befindet sich ein Abstimmungsraum. Ihr zuständiger Abstimmungsraum und alle barrierefrei erreichbaren Abstimmungsräume sind in Ihrer Abstimmungsbenachrichtigung angegeben.
Wer einen Stimmschein hat, kann in einem beliebigen Abstimmungsraum oder per Brief abstimmen. Auskünfte zur Beantragung entnehmen Sie bitte Ihrer Abstimmungsbenachrichtigung.

Abstimmung im Abstimmungsraum
Sie bringen Ihre Abstimmungsbenachrichtigung mit und müssen sich auf Verlangen ausweisen können.
Sie können Ihre Ja- oder Nein-Stimme nur persönlich und geheim abgeben. Unter bestimmten Voraussetzungen können sich behinderte Personen helfen lassen. Befragen Sie dort ein Mitglied des Abstimmungsvorstandes.

Stimmabgabe per Brief
Wer durch Abstimmung per Brief am Bürgerentscheid teilnehmen möchte, kann die Unterlagen beim Bürgermeister anfordern.
Näheres dazu enthält Ihre Abstimmungsbenachrichtigung.
Damit Ihre Stimme als gültig gezählt werden kann, beachten Sie bitte unbedingt den Wegweiser für die Briefabstimmung, der Ihnen mit den Briefabstimmungsunterlagen zugesandt wird.
Nach Eingang des Stimmbriefs beim Bürgermeister darf er nicht mehr zurückgegeben werden. Der Stimmbrief muss bis Sonntag, 10. Juli 2011, 16 Uhr, beim Bürgermeister der Stadt Velbert eingegangen sein. Die Abgabe in den Abstimmungsräumen ist allerdings nicht möglich. Der Stimmbrief muss nicht frankiert werden, wenn er in Deutschland zur Post gegeben wird. Am Tag der Abstimmung werden alle Tätigkeiten der Abstimmungs- und Briefabstimmungsvorstände öffentlich vorgenommen.

Nachfolgend erhalten Sie außerdem Informationen zu(r)

  1. Begründung der Vertretungsberechtigten des Bürgerbegehrens
  2. Stimmempfehlung des Bürgermeisters
  3. Gemeinsame Begründung der im Rat vertretenen Fraktionen, die das Bürgerbegehren abgelehnt haben - CDU, Velbert anders, FDP (3 von 5 Ratsmitgliedern) und SLB
  4. Begründung der im Rat vertretenen Fraktionen, die dem Bürgerbegehren zugestimmt haben:
    - SPD
    - Die Grünen,
    - Die Linke
    - UVB
  5. Sondervoten einzelner Ratsmitglieder mit Begründung
  6. Übersicht über die Stimmempfehlungen der im Rat vertretenen Fraktionen mit Angabe ihrer Fraktionsstärke.

 1. Begründung der Vertretungsberechtigten des Bürgerbegehrens

Sehr geehrte Mitbürger von Velbert, Neviges und Langenberg,
genauso wie vor 10 Jahren stehen wir vor einem erneuten Bürgerentscheid. Wieder soll das Langenberger Freibad im Nizzatal aus haushaltspolitischen Gründen geopfert werden und ebenso will man alles auf Kosten unserer Kinder und Jugendlichen durchsetzen. Die Jüngsten unserer Gesellschaft sollen das „ausbaden“, was die Verantwortlichen für den desolaten städtischen Haushalt nicht auf die Reihe bekommen. Unsere Kinder sollen auf Lebensqualität verzichten. Es soll ihnen in der warmen Jahreszeit – und nur um diesen kurzen Zeitraum geht es – fröhliches Toben in einem schön gelegenem Freibad genommen werden.
Die Bürgerinitiative Pro Nizzabad ist bei ihrem Bürgerbegehren mit über 10.000 Unterschriften von Velberter BürgerInnen unterstützt worden. Aber das vermochte einen Teil des Velberter Stadtrats nicht zu beeindrucken, genauso wenig die Kostendeckungsvorschläge der Bürgerinitiative, die den städtischen Haushalt mehr entlasten könnten, als durch eine Schließung der Freifläche erreicht werden soll. Jetzt ist Ihr Votum als Bürger beim anstehenden Bürgerentscheid gefordert. Entscheiden Sie sich bitte für unsere Kinder. Sagen sie „JA“ zum Erhalt des Freibades im Nizzatal.

2. Stimmempfehlung des Bürgermeisters

Liebe Velberterinnen und Velberter,
niemand verzichtet gerne auf etwas, auch nicht auf ein Wellenbecken in der Nähe. Städte verändern sich, weil sich die in ihr lebenden Menschen verändern und mit ihnen ihre Gewohnheiten. Die Zahl der Einwohner schrumpft, gleichzeitig werden wir immer älter. Veränderte Rahmenbedingungen haben aber zur Folge, dass überlegt werden muss, welche öffentliche Einrichtungen brauchen wir und vor allem, welche können wir uns leisten, wenn wir unseren Kindern mehr als nur Schulden hinterlassen wollen. Es hat unsere Gesellschaft stark gemacht, dass wir immer solidarisch waren und ausgewogen entschieden haben. Auch ohne das Wellenbecken können das Hallenbad und die Liegewiesen im Nizzabad weiterhin genutzt werden. Und zusammen mit den übrigen Velberter Bädern bieten wir auch weiterhin ein sehr gutes Badeangebot mit attraktiven Außenanlagen in allen drei Stadtbezirken. Daher bitte ich Sie, stimmen Sie für die Zukunft unserer Stadt, stimmen Sie mit NEIN!

3. Begründungen der im Rat vertretenen Fraktionen, die das Bürgerbegehren abgelehnt haben

Gemeinsame Stimmempfehlung von CDU, Velbert anders, FDP (3 von 5 Ratsmitglieder) und SLB

Liebe Velberterinnen und Velberter,
Ihre Stimme in diesem Bürgerentscheid entscheidet über die Schließung des Wellenbeckens – nicht über die Schließung des Nizzabades in Langenberg. Dieses bleibt erhalten! Velbert hat seit 1975 rund 12.000 Einwohner verloren und zählt heute nur noch 84.000 Einwohner, gleichzeitig aber hatten wir letztes Jahr ein Minus von 40 Millionen Euro und stehen damit fast vor der Überschuldung. Unsere Bäderlandschaft orientiert sich aber noch immer an der Einwohnerzahl einer Großstadt. Das ist nicht mehr bezahlbar. Denn eine Überschuldung würde bedeuten, wir verlieren unsere kommunale Selbstverwaltung und sind nicht mehr handlungsfähig. Das darf nicht geschehen. Die Stadtverwaltung Velbert wollte die Schließung des gesamten Nizzabades in Langenberg. Dazu zählten das Hallenbad, die große Liegefläche und das Wellenbecken. Dazu sagten die CDU, Velbert anders, die FDP und die SLB: Nein! Für uns steht fest, dass das Hallenbad in jedem Fall für alle Bürger erhalten bleibt. Dafür haben wir gekämpft und eine Mehrheit im Stadtrat gefunden. Aufgegeben wird lediglich das Wellenbecken in Langenberg.
Die 104 Maßnahmen des aktuellen Haushaltssicherungskonzepts reichen bei weitem nicht aus, um den Haushalt wieder auszugleichen. Wir werden somit weiter sparen müssen. Für den Sparkurs gibt es keine Alternative, so dass wir alle vor unpopulären Entscheidungen nicht zurückschrecken dürfen. Außerdem sollten wir bedenken, dass wir uns trotzdem zwei Hallenbäder, zwei Freibäder mit einem Wellenbecken und ein Allwetterbad leisten. Ein Blick in die Nachbarschaft zeigt uns: Ratingen (91.000 Einwohnern, Eigenkapital: 340 Millionen Euro) hat nur ein Freibad, ein Hallenbad sowie ein Allwetterbad, das schuldenfreie Langenfeld (60.000 Einwohner) verfügt nur über ein Hallenbad sowie ein Freibad und Hilden (55.000 Einwohnern, Eigenkapital: 300 Millionen Euro) hat nur ein Hallenfreizeitbad mit Außenbecken sowie ein Freibad. Diese Zahlen verdeutlichen, dass wir uns mehr leisten als andere Städte, ohne das Geld dafür zu haben. Trotzdem ist Velbert auch ohne Wellenbecken in Langenberg zukünftig eine attraktive Stadt mit viel Lebensqualität, der Sie sich auch weiterhin verbunden fühlen können. Und unsere Kinder, Jugendliche und Vereine haben weiterhin noch genug Möglichkeiten, auch in Langenberg Schwimmen zu lernen. Jetzt sind Sie gefragt, liebe Velberterinnen und Velberter. Sprechen Sie sich dafür aus, dass Velbert handlungsfähig bleibt und nicht das Ruder der kommunalen Selbstverwaltung aus der Hand gibt. Sagen Sie „Nein“ zum Bürgerentscheid.
 

4. Begründung der im Rat vertretenen Fraktionen, die dem Bürgerbegehren zugestimmt haben

4.1 Stellungnahme der SPD-Fraktion
Der Stöpsel bleibt drin! Bereits vor zehn Jahren sollte das Schwimmbad in Langenberg auf dem Altar der Sparmaßnahmen geopfert werden. Damals haben es die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt mit diesem Slogan verhindert. Nun versuchen Bürgermeister und Ratsmehrheit wiederum dieses Bad zu schließen. Gegen den Widerstand der Bevölkerung. Die SPD unterstützt die Initiative für den Erhalt des Bades. Denn, Velbert soll eine kinder- und familienfreundliche Stadt sein. Langenberg und Neviges sind auch für den Nahtourismus interessant. Deshalb ist eine Bäderschließung falsch. Kein Stadtteil darf ausgeblutet werden. Die Schließung des Lehrschwimmbeckens und des Nizzabades in Langenberg sind sicher nur der Anfang. Weitere Einrichtungen in der Stadt werden bald folgen, wenn Bürgermeister und Ratsmehrheit sich durchsetzen. Wir sagen: Der Stöpsel bleibt drin! Die SPD-Ratsfraktion setzt sich für eine Stadt ein, in der zu leben, es sich auch in Zukunft lohnt. Der Haushalt kann auch anders saniert werden. Maßnahmen der Rot-Grünen Landesregierung haben 2011 zu einer Verbesserung um rund 6 Millionen Euro geführt. Es gibt also keinen Grund, Kindern und Jugendlichen das Bad zu nehmen. Stimmen Sie am 10. Juli im Wahllokal oder vorher per Briefwahl mit Ja und damit für den Erhalt des Nizzabades, für unsere Kinder und für die Zukunft unserer Stadt.

4.2 Stellungnahme der Fraktion Die Grünen
B 90/DIE GRÜNEN empfehlen, beim Bürgerentscheid um die Zukunft des Freibades in Langenberg mit JA zum Erhalt des Bades zu stimmen. Wir sind so lang für den Erhalt des derzeitigen Bäderangebotes in jedem einzelnen Stadtteil, solange dies nicht durch ein neues Zentralbad ersetzt worden ist und der öffentliche Nahverkehr so ausgebaut ist, dass ein neues Bad einfach, komfortabel und kostengünstig von allen Stadtteilen aus erreichbar ist. Untersuchungen haben zwischenzeitlich gezeigt, dass die Nichtschwimmerquote unter Kindern und Jugendlichen steigt. Dem gilt es, durch ein ausreichendes Bäderangebot auch für die Schwimmvereine entgegenzusteuern. Vor 10 Jahren ist schon einmal ein Bürgerentscheid zum Erhalt des Freibades erfolgreich gewesen. Verhelfen Sie auch diesmal wieder durch Ihre Stimmabgabe diesem Begehren zum Erfolg. Wichtig ist aber in jedem Fall die Stimmabgabe möglichst vieler Bürger, damit das Mindestquorum von 20 % Beteiligung erfüllt wird.

4.3 Stellungnahme Fraktion Die Linke
Das Nizzabad ist unverzichtbar für Sport und Freizeit in Langenberg. Das Freibad seiner schönen Liegewiese trägt viel zur Attraktivität des Stadtteils bei. Grade für junge Leute und Familien, die die Stadt anziehen will. Auch die lokale Wirtschaft profitiert vom Schwimmbad. Kreative Konzepte statt Kürzungslogik: Um das Nizzabad erhalten zu können, hat DIE LINKE ein Werbe- und Sponsoring Konzept für die Velberter Bäder entwickelt sowie einen „Langenbergpass“ vorgeschlagen. Beides soll die Attraktivität und Auslastung der Velberter Bäder verbessern und für unsere Stadt werben. So könnten die Kosten reduziert und die Leistungen erhalten werden.
Durch die Schließung würde der Stadt ein unschätzbares Kapital verloren gehen. In Velbert wird in Salami-Taktik eine öffentliche Einrichtung nach der Anderen geschlossen. Infrastruktur, Bürgernähe und Freizeitmöglichkeiten werden zurückgefahren. Enttäuschte Bürger wandern ab. Die Schließung weiterer Bäder aus den gleichen kurzsichtigen Erwägungen wäre nur eine Frage der Zeit. Diese Spirale muss gestoppt werden. Velbert darf nicht kaputt gespart werden. Wir brauchen eine bürgerfreundliche Infrastruktur.
Daher ruft DIE LINKE zur Annahme des Bürgerbegehrens auf!

4.4 Stellungnahme der UVB Fraktion
Velbert-Langenberg ist Bücherstadt und Senderstadt, gehört zu den förderungswürdigen Orten mit historischem Stadtkern, ist mit Bürgerhaus, Eventkirche, Fachwerkhäusern und Villen aus der Gründerzeit Anziehungspunkt für Touristen; Velbert-Langenberg ist aber auch ein Naherholungsgebiet zum Entspannen. Ein attraktives Freizeitziel ist das Nizzabad mit Hallen- und Freibad. Die Stadt Velbert prahlt in Werbeprospekten damit, dass jeder Stadtbezirk ein Freibad zu bieten hat. „In Langenberg lädt das Nizzabad, mit großer Liegewiese und Wellenanlage ausgestattet, zum Badevergnügen ein.“ Das muss so bleiben. 10.000 Bürger haben sich spontan gegen die beabsichtigte Schließung des Freibades ausgesprochen; ein eindrucksvolles Votum, dass der Rat der Stadt Velbert leider ignoriert hat. Betreiber des Nizzabades ist nicht die Stadt Velbert. Betreiber aller Stadtbäder sind die Stadtwerke Velbert, die einen gesunden Haushalt vorweisen. Die beabsichtigte Schließung des Freibads wäre also eine Attraktivitätsminderung ohne Not und ohne Notwendigkeit. - Übrigens hätte man mit den Kosten für den Bürgerentscheid das Freibad mindestens ein Jahr lang betreiben können – zum Wohl der Bürger!

5. Sondervoten einzelner Ratsmitglieder mit Begründung

Stellungnahme der Ratsmitglieder Dr. Bender (FDP) und Kitzrow (FDP), die dem Bürgerbegehren zugestimmt haben

Die FDP misst der aktiven politischen Teilhabe ihrer Bürger in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld von jeher eine sehr hohe Bedeutung zu. Von daher – und insbesondere bei Vorliegen von mehr als 10.000 Unterschriften – sehen wir es als eine politische und ethische Selbstverständlichkeit an, uns mit der von Bürgern kritisierten Entscheidung des Rates nochmals intensiv zu beschäftigen und genau zu prüfen, welche Entscheidungsgrundlagen neu bewertet werden müssen, da sie entweder im damaligen Kontext aus heutiger Sicht nicht richtig oder nicht mit der notwendigen Priorität bewertet wurden, oder weil sich in der Zwischenzeit einfach die Informationen der Entscheidungsgrundlagen geändert haben. Neben vielen anderen Argumenten, die von den weiteren Befürwortern des Bürgerbegehrens in diesem Informationsblatt genannt werden, möchten wir uns hier mit dem Einsparvolumen für den Haushalt auseinandersetzen. Leider hat es die Verwaltung der Stadt Velbert bis heute nicht geschafft, die genauen Kosten für die Schwimmbäder in Velbert, die Zuschußbedarfe und die konkreten Einsparungen offen und nachvollziehbar vorzulegen. Auch sind die Planungen hinsichtlich der weiteren Nutzung, die damit einhergehenden baulichen Veränderungen und die damit verbundenen Kosten bis zum heutigen Tag nicht ermittelt bzw. den Entscheidungsträgern vorgelegt worden. Für uns bedeutet das, dass die Entscheidung zur Schließung des Freibades nicht zu einer nachhaltigen Entlastung des Haushaltes der Stadt Velbert beiträgt. Hier gibt es sicher nachhaltigere und mit weniger Einschränkungen für die Bürgerinnen und Bürger verbundene Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung.

6. Übersicht über die Stimmempfehlungen der im Rat vertretenen Fraktionen mit Angabe ihrer Fraktionsstärke

Das Bürgerbegehren lehnen ab:

  • CDU-Fraktion (23 Ratsmitglieder)
  • Fraktion Velbert-anders (6 Ratsmitglieder)
  • SLB-Fraktion (4 Ratsmitglieder)
  • FDP-Fraktion (3 von 5 Ratmitgliedern)
     

Dem Bürgerbegehren stimmt zu:

  • SPD-Fraktion (15 Ratsmitglieder)
  • Fraktion Die Grünen (6 Ratsmitglieder)
  • Die Linke-Fraktion (4 Ratsmitglieder)
  • UVB-Fraktion (3 Ratsmitglieder)
  • Herr Dr. Bender (FDP)
  • Herr Kitzrow (FDP)